… will sie sein, meine Freundin in München, die durch harte Zeiten ging und geht und irgendwie gar nicht so richtig wieder zu sich finden will, nach einer großen Enttäuschung. Ein Mann, der mal ihrer war. Eine andere Frau, die jetzt seine ist. Und viel Geheimnisse und Heimlichkeiten und schmutzige Wäsche unterwegs.
Sie versucht, das zu vergessen und gräbt in der Vergangenheit nach der Person, die sie einmal war, bevor alles losging, nach den Träumen, die sie mal hatte und nach dem Stückchen Glück, das verlorgenging in all dem Chaos.
Ich vermisse es nicht wirklich, mein altes Leben, sagt sie. Aber für ein neues scheint die Zeit noch nicht reif, auch nach Wochen, Monaten, Jahren nicht. Und: Ich beneide dich darum, dass du volles Risiko fährst. Im Zweifelsfall noch nicht mal an Grundversorgung denkst, dich einfach hineinfallen lässt ins Leben, ohne Netz und doppelten Boden.
Ist einfacher, wenn man das alles hinter sich hat, denkt man sich dazu, sagt aber nichts, um die Freundin nicht weiter zu beunruhigen. Ist einfacher, wenn man wochenlang aus dem Auto lebte, weil alles zusammenbrach, was solide schien. Ist einfacher, wenn man nichts mehr zu verlieren hat, es lebt sich einfach leichter. Wenn man einmal loslässt und nur noch mitfließt, ohne an Morgen zu denken oder an Zukunft, wird selbst Flugangst zur Lachnummer.
Du lernst Begegnungen zu schätzen, die anders sind als alles, was du hinter dir gelassen hast, auf dem Weg. Entwickelst einen Blick für Menschen, die auf derselben Wellenlänge treiben. Liegt wohl daran, dass du aufgehört hast, so zu tun als ob, Schicht für Schicht alles abgelegt hast, was mit Konventionen, Gewohnheiten und anderen Oberflächlichkeiten zu tun hat. Nur noch du bist, ungeschminkt und simpel.
Ist einfacher. Und auch schwieriger. Weil für den Moment leben unglaublich anstrengend sein kann. Die Energie, die es kostet, permanent zu entscheiden, von Augenblick zu Augenblick, könnte man vermutlich sinnvoller einsetzen. Für eine Familie, einen festen Job, ein geregeltes Leben, ein Leben, wie es sich gehört.
Dann wiederum ist Leben Reisen. Ich mag diese Fluss-Idee.

PS: Allein reisen, für eine Weile, bis sich Reisebegleitung findet, die grob in dieselbe Richtung will und sich dahin auch am liebsten treiben lässt, Hand in Hand mit Dir. Das ist die schönste Überraschung.