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…muss man feiern, wie sie fallen, weil sie sonst sang- und klanglos im Nirgendwo verschwinden. Nicht, dass es weiter bemerkenswert wäre, dass man Bücher auch in Fremdsprachen lesen kann. Aber nach “L’aiuto” war ich dann doch erleichtert, irgendwie. Echt zäh, am Anfang, meine engelsgeduldige Ferien-Lehrerin Tiziana würde das blind unterschreiben. Die ersten drei, vier, fünf Seiten dauerten eine kleine Ewigkeit. Also habe ich ihren Rat befolgt und mir ein kleines Vokabelheftchen zugelegt, Italienisch für Anfänger, ein kleines Filofax-A bis Z, das voll ist inzwischen, wenigstens fast: Bei C war schneller dicht, als ich “contrabbandieri” schreiben konnte, mit “consapevolezza” musste ich bereits auf B ausweichen. Interessant, sich eine Sprache von der Warte anzugucken. Wenn die Grundlagen fehlen, die man sich im Englischen oder Französischen in jahrelanger Kleinarbeit erkämpfte, wird jede Kleinigkeit, jede Gerund-Endung, jede Konjunktionpräpositionjederunbestimmte Artikel Erinnerungs-Wert. J und K sind noch komplett jungfräulich, P und S dagegen äußerst beliebt. Und U ist im Italienischen offenbar vor allen Dingen eins: gefährlich. Da steht bisher nur “uccelli” für Vögel und “uccidere” für Töten. Nach der Premiere folgte Nummer 2, weil’s so schön war und beflügelnd, wie die englischen Kurzgeschichten, die uns Herr Steger in der Unterstufe triumphierend präsentierte, für das gute Gefühl in der Klasse. Fabio Volo und der druckfrische Bestseller “Il tempo che vorrei” ist ein Quantensprung, nicht nur, weil der Autor unverschämt gut aussieht und in Interviews kluge Sachen sagt, sondern weil das Buch wirklich empfehlenswert ist, der Mann ist genial, nicht nur für Italienischanfänger. Unvergessen der Moment im Flieger nach Miami, ich bin halb durch und kann kaum abwarten weiterzulesen, als ich aus der Reihe nebenan nach meinem Urteil gefragt werde. Von einem Italiener, wohlgemerkt, einem echten Fan, einem, der außer diesem alle gelesen hat. Wissendes Hin und Herzwinkern, wenigstens lässt er sich nicht anmerken, dass er mich für plemplem hält. Und ja, ich lese weiter bei Herrn Volo. “E una vita che ti aspetto” liegt schon auf dem Nachttisch. Dazu Raymond Carver, Kurzgeschichten, die man im Original lesen müsste, jaja, ich weiß, als Amerikanistin allemal. Aus spontaner Begeisterung habe ich mir die dennoch auf Italienisch geholt und sage mir zur Entschuldigung, dass ich im Italienischen bis auf weiteres kurze, knappe Sätze bilden will/muss/gar nicht anders kann. Da hilft Carver, egal, ob’s im Original stilvoller, einfach echter ist. Die wahre Geschichte, warum jetzt Carver, wird ein andermal erzählt. Es gibt nämlich, das war mir selbst neu, Carver-Momente im Leben, die über einen kommen, wenn man es am wenigsten erwartet. Nach einem Langstreckenflug über den Atlantik, einem Morgen lang Exzessivcitybummeln in Rom, einem Snack im G wie Gusto und einem Glas Wein unter Heizpilzen, mit Blick auf die Spanische Treppe zu eher diffizileren Gesprächen. Da kann es passieren, dass man im Hotelzimmer aufwacht, ein paar Augenblicke braucht, um zu verstehen wo man ist, und plötzlich ist alles ganz klar. Carver-klar. Mal sehen, was ich davon in “Vuoi star zitta per favore?” wiederfinde.










